Die Metamorphose einer Atlantis


 

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Und nun zum Umbau der Atlantis!

Zunächst mal zum Hintergrund weshalb ich meine alte Dame umbaute.

Im Herbst 2008 folgte ich der kurzfristigen Einladung von Egon Büscher mit zur Herbstregatta nach Fühlingen zu kommen. Um dies doch endlich mal mitzuerleben und dem Wissen einige Namen der Minisailors zu begegnen, sagte ich zu und machte mich dran meine Atlantis für den großen Ausflug zu rüsten. Der Akku war gut geladen, die F14 fit. Ein zweites Paar Quarze hatte ich auch im Gepäck.

Das Wochenende vorher wollte ich noch mal eine Runde an den See und nahm meine Rosie und ließ diese ein paar schöne Bahnen ziehen. Danach vergaß ich allerdings zum großen Übel die Kanäle in der F14 wieder auf die Atlantis umzustecken.

Mit diesem (Un-)Wissen ging es dann am 18.Oktober Richtung Köln. Alles war super. Das Wetter passte, die Leute waren  genauso wie ich es mir vorgestellt hatte, und ich war echt schnell mit Aufriggen fertig. Nur das ich immer noch nicht dran dachte die Steuerung umzustecken. Also schaltete ich diese ein. Die Atlantis war auch schnell eingeschaltet. Immer noch ohne Funktionstest.

Auf dem Wasser merkte ich nach dem ersten Dichtholen dann schnell das etwas nicht stimmte. Die Segel waren dicht und ließen sich nicht auffieren. Vor dem Start zur Wanderregatta holte ich die alte Dame noch mal ans Ufer und sah was passiert war. Die Segelwinde hatte die Umlaufschot um das Doppelte aufgezogen und war noch zwischen Winde und Rolle gerutscht und gerissen. Das war zuviel um mal eben schnell zu beheben.


Damit war ich zwar bei der Regatta dabei, allerdings ohne Boot.

Wieder zu Hause angekommen wollte ich nur mal nachsehen was denn nun passiert war.Ich stellte die alte Dame auf den Tisch, schraubte die Abdeckungen ab und sah nun das ganze Ausmaß der Beschädigung.
Ich habe die Atlantis gebraucht gekauft und bis dato immer nur soweit zurecht gemacht das sie läuft. Aber richtig restaurieren war bis dato nur angedacht, und damit stand fest: Komplett neu!



Ich zerlegte das komplette Boot bis ich den blanken Rumpf vor mir liegen hatte. Der Gedanke einen Gaffelschoner aus meiner Atlantis zu bauen war da und somit nahm ich Kontakt zu Gerd Neumann auf, dem ich nun auf diesem Weg danken möchte. Gerd fütterte mich mit vielen Ideen, Tipps und Tricks und konnte immer wieder helfen…


Nachdem nun der Rumpf vor mir lag, machte ich mir erst mal Gedanken auf was es mir ankam:. Sie sollte möglichst ohne viel Schraub- und Einstellarbeiten am See und trotzdem transportabel sein. So entstanden vier herausschraubbare Rumpfteile die die Wanten aufnehmen und durch jeweils 2 Schrauben gehalten werden.

Danach durfte ich mir mal Gedanken machen welche Holzsorten verwendet werden sollten. Mahagoni und Ahorn sind meine Favoriten. Die Königsplanke und der Wassergang und jeweils einen Rahmen um die Aufbauten entstanden aus Mahagoni, die Decksplanken aus Ahorn.

Nachdem ich mir die doch schon sehr betagten Aufbauten angesehen hatte stand auch hier fest: Neu!
Aus 1mm Flugzeugsperrholz entstanden diese neu. Da ich die originalen Decköffnungen beibehalten wollte war die Grundform der Aufbauten vorgegeben.

Irgendwann kamen wir auf den Namen des neuen Schiffes: NIGHTFLOWER

Die Abdeckung der hinteren Decksöffnung sollte nun aber so umgestaltet werden das ich die Möglichkeit hatte den Namen des Bootes dort auf irgendeine Weise darzustellen. Auf den Seiten der Klassischen Yachten fand ich die Lösung: Eine Sitzgruppe mit Tisch sollte realisiert werden. Als Tischplatte wollte ich nun das Bild einer „Nachtblume“ haben.


Während eines Reha-Aufenthaltes lernte ich nun glücklicherweise Bernd Gaspard kennen der seinerseits Modellbahnzubehör per Laser erstellt und kleinste Teile schneiden kann und dies auch für meine Tischplatte tat.



Die Segelwinde soll ihren Dienst weiterhin in der Nightflower verrichten, allerdings nicht mit der Umlaufschot sondern als kraftvoller Antrieb eines Kettenantriebes, so wie in der Valdivia verbaut. Das Material hierzu orderte ich wiederum bei Gerd und holte mir auch dazu wieder ein paar Tipps. Und so montierte ich ein Kettensystem welches Fock, Schoner- und Grosssegel dichtholt und zum Auffieren der Wind sein übriges geben muss und damit sichergestellt ist keine durchhängenden Schnüre mehr im Boot zu haben.


Durch die endgültige Demontage des absenkbaren Flautenschiebers samt Einbauschacht gewann ich den nötigen Platz um die dicht unter dem Deck sitzende Umlaufschot für die Vorsegelsteuerung zu installieren. Der Flautenschieber rutschte kurzerhand nach unten in Höhe Mitte des Ruders.

Neugierig wie ich war besorgte ich nun diverse Rundhölzer und längte die Masten und den Bugspriet auf die angegeben Maße, so das ich einmal einen Blick auf die ungefähre Größe des Modells bekommen konnte. Die Masten wollte ich nicht mehr, wie bei der Atlantis, auf dem Deck stehen haben und verklebte durchgehende Aluminiumrohre auf dem Bleikiel bis an die Deckoberfläche.

Während eines der vielen e-mail-gefechte mit Gerd riet dieser mir, die Masten nicht aus Vollmaterial zu bauen sondern eigene, aus mehreren Leisten verleimte, Masten zu erstellen. Der Vergleich der nun zum Einsatz gekommenen und der „Rundholzmasten“ spricht für sich.


Der Anblick der nun endlich stehenden und abgespannten Masten spornte zu mehr an und eine Einladung zu einem ersten Treffen der ModellSegelFreunde Saar im Oktober setzte nun ein zeitliches Ziel mit den Arbeiten soweit fertig zu werden um ein erstes Probesegeln starten zu können.

Die Gaffeln und Bäume wurden erstellt und an den Masten angeschlagen und die (leider Letzte) Bestellung ins Hause Dreger-Modellbau gefaxt. Nach dem Öffnen des Päckchens konnte ich die diversen Umlenkrollen und Blöcke verwenden um die Anlenkung der Segel zu komplettieren. Diese erstellte ich aus weißem Schikarex welches zum Vergleich zu Icarex etwas fester und schwerer ist.

Nach Verlegung der Messingrohre, die mir die Schoten zum Groß-, Schoner- und Focksegel führen, durfte ich mich nun noch an die Installation der Klüver und Fliegerschot machen. Diese gestaltete sich als gar nicht so leicht wie gedacht. Ich verzog diese jeweils auf jeder Seite bis an den mittleren Aufbau und bohrte auch dort wieder 2 Löcher für Messingrohre um in Richtung Umlaufschot zu gelangen.

Nun brauchte ich nur noch die Empfangsanlage einzubauen und war fertig für den Ersten Probelauf. Am Bostelsee angekommen wurde zum Ersten Mal die Masten in den Wind gestellt und Alles so gut es nun ging eingestellt. Nach Einschalten der Steuerung und des Bootes testete ich diesmal ERFOLGREICH alle Funktionen und setzte nun meine Nightflower zum ersten Mal in ihr Element.


Es war schon ein beeindruckendes Bild dieses mit 7 Segel bestückte Schiff auf dem Wasser zu sehen und somit holte ich dicht und sie zog los. Während der nächsten halben Stunde war es wirklich schön zu sehen mit welcher Eleganz die Nightflower übers Wasser glitt.


Zu Hause hatte ich noch als kleine Vorsichtsmaßnahme eine Plexiglasplatte zwischen die beiden Antriebe geklemmt um ein Hängenbleiben der Schoten zu vermeiden. Genau diese Platte rutschte allerdings nach unten weg und blockierte dann den Kettenantrieb.

Das Ergebnis war dann ein längerer Aussetzer der Steuerung der mit dem recht unsanften Einschlag in einem Bootsteg endete.

Nun, der Schaden hielt sich in Grenzen. Der Klüverbaum hat mittlerweile neue Messingösen und frischen Lack und einige Kleinigkeiten die mir am See aufgefallen waren wurden auch schon wieder behoben und ich warte auf den nächsten Ausflug an den See der dann sicherlich richtig erfolgreich sein wird.

Das war nun mal ein kleiner Betrag über eine ALTE DAME.

Für Kritik, Anregung ,Fragen oder einfach nur eine Meinung bin ich immer offen und zu erreichen unter

peter.kluge@dingmadd.de

 

Bis denne
Pitt